DANZIG

Metal Hammer, Germany

Alles im Griff

Was sich auf I LUCIFERI (2002) schon angedeutet hat, nimmt auf DANZIG Nummer acht endgültig Form an: Weg mit dem Samplegedöns, es wird wieder gerockt!

Label-Boss und Promoter sind nervös. Wird er tatsächlich im Flugzeug sitzen? Und wenn ja, wird er das neue Material im Koffer haben? Einige Stunden später hat das große Zittern ein Ende: Der sonst für seine Arroganz und Schlagkräftigkeit berühmt berüchtigte GLENN DANZIG sitzt, ganz in schwarze Rockermontur gehüllt, frisch und gut gelaunt in seinem Kölner Hotelzimmer. Fünf Songs seines neuen Albums hat er mitgebracht und die anwesende Journalistenschar staunt nicht schlecht, als sie das metallische Werk mit den fetten, tiefgestimmte Gitarren und den eingängigen Melodien zu hören bekommt. Dass Egozentriker und Misanthrop Glenn sich dafür mal wieder ein neues Line-Up zurecht gebastelt hat, überrascht hingegen nicht mehr. Wo die 49jährige Ikone ist, gibt es nun mal keine Demokratie. Dafür aber eine Menge interessante Geschichten. HAMMER entlockte dem kleinen Mann mit dem breiten Oberkörper einige davon.

Glenn, du wirst häufig als Pate des Dark Metal bezeichnet. Was bedeutet dir eine solche Huldigung?
Ich weiß nicht... Wahrscheinlich versteht man darunter, dass ich vor langer Zeit über Dinge gesungen habe, die sonst keiner gesagt hat und mit denen sich einige Leute identifizieren konnten. Es freut mich natürlich, dass viele Musiker von Bands wie Misfits, Samhain und später von Danzig, was ja noch dunkler ist, beeinflusst worden sind.

Mittlerweile bist du seit knapp zwanzig Jahren im Musikgeschäft tätig. Gibt es etwas, dass dir besonders missfällt?
Ich wünschte, es gäbe mehr Bands, die Musik der Kunst wegen und nicht des Geldes wegen machen würden. In Amerika gibt es viele Leute, die eine Band gründen, um einen Plattenvertrag zu bekommen. Bricht ihre Band auseinander, versuchen sie erst gar nicht, trotzdem weiterzumachen, sondern suchen sich einen Job. Ihnen ging es nur um Geld und Frauen. Bei mir stand immer die Musik an erster Stelle. Erst danach kam das Verlangen nach Drogen, Frauen und Geld! (lacht) Bei diesen neuen Bands ist das genau anders herum – von Musik ist da doch gar nicht mehr die Rede! Deshalb machen sie auch alles, was das Label ihnen diktiert. Wenn die sagen, macht so und so eine Platte, dann machen sie das auch. Diese Leute haben keinen Charakter, keinen Stil und keinen eigenen Sound. Sie sind nur Produkte.

Im Laufe deiner Musikerkarriere hast du deine Stilrichtungen häufig gewechselt. Von Punk, Metal, Hard Rock bis hin zu Darkwave Industrial und sogar Klassik ist alles vertreten. Doch obwohl du ein großer Black Metal Fan bist, hast du dich nie in diesem Bereich versucht.
Es sind Black Metal Elemente in allen Danzig Platten vorhanden, sogar in einigen Samhain Aufnahmen. Ich bin übrigens auch Gastsänger auf der nächsten Cradle Of Filth Scheibe! Aber was richtigen Black Metal betrifft, das überlasse ich doch lieber anderen....

Dennoch setzt du dich sehr stark für die Szene in deinem Heimatland ein. Was hat dich dazu bewogen, ein Festival wie das ´Blackest of the Black` zu organisieren?
In Amerika gibt es keinen Ort, wo derartige Bands auftreten können. Es gibt keine vernünftigen Bühnen, weil niemand dort Black oder Dark Metal Bands ernst nimmt. Egal welche Dark Metal Musik man nimmt, ob es Danzig ist oder Superjoint Ritual, niemand respektiert dort diese Art von Musik. Und das obwohl wir mit Danzig neun Millionen Platten weltweit verkauft haben! Mit Pantera war das ja nicht viel anders.

Gibt es konkrete Pläne, dieses Projekt auch nach Europa zu bringen? Du hast in diesem Zusammenhang mal von Schweden gesprochen.
Ich glaube nicht, dass es in Europa Bedarf gibt, denn ihr habt ja schon genug Festivals, auf denen Black Metal Bands spielen können. Die ersten Bands, die beim ´Blackest of the black` aufgetreten sind, waren Danzig, Nile, Superjoint Ritual, Lacuna Coil, Behemoth und Opeth. Bei uns haben die Leute derartige Bands nie zuvor auf einer Bühne gesehen, wenn sie sie überhaupt schon mal sehen konnten. Es hat jedenfalls eine Menge Spaß gemacht und ich hoffe, für das diesjährige Festival zumindest schon mal Motörhead und Marduk gewinnen zu können.

Wie zu erfahren war, gab es Verhandlungen mit Tobe Hooper (Texas Chainsaw, Poltergeist, Lifeforce), in dessen Film du auftreten solltest. Auch ein Soundtrack zu ´Score` soll in Planung sein...
Oh nein, hör´ bloß auf damit! Die Sache ist schon eine Weile her. Er wollte, dass ich in seinem Film mitspiele und er ist ja auch wirklich nett und ich bin ein großer Fan von ihm. - Besonders Texas Chainsaw und Lifeforce sind gute Filme, aber es hat eben nicht funktioniert. Sie wollten mir nicht genug zahlen und ich hatte außerdem noch andere Verpflichtungen: Es ging um eine dreiwöchige Danzig Tour und die neue Platte. Ich musste mich für entscheiden; entweder der Film oder die Musik und letzteres hat für mich nun mal oberste Priorität.

Wenn ich richtig informiert bin, hast du sogar schon dein zweites Soloalbum fertig geschrieben. Wann wirst du die Black Aria denn veröffentlichen?
Ehrlich gesagt, ich habe die Platte schon ewig im Kopf, bin aber noch nicht dazu gekommen, sie einzuspielen. Das Cover liegt schon seit zwei Jahren fertig auf meinem Schreibtisch und geschrieben habe ich die Scheibe sowieso schon vor ewiger Zeit, aber... Momentan arbeite ich auch an meinem ersten Film, den ich machen will, wenn die Tour vorbei ist. Das Drehbuch dazu werde ich wohl während der Tour schreiben. Trotzdem hoffe ich natürlich, das Black Aria Album so schnell wie möglich aufnehmen zu können, damit ich die Sache aus dem Kopf bekomme und mich anderen Dingen widmen kann.

Du scheinst ja sehr aktiv zu sein. Abgesehen von deinen Musik- und Filmprojekten, hast du ein eigenes Label und zeichnest Comics. Gibt es bei dir überhaupt so etwas wie einen normalen Tagesablauf?
Nein, absolut nicht. Es steht jeden Tag etwas neues Verrücktes an.

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass du im Juni Fünfzig wirst...
Werde ich das?

Wirst du nicht?
Ach, das ist eine andere Geschichte...

Was motiviert dich heutzutage, weiter Musik zu machen?
Es gibt nach wie vor Dinge, die ich sagen will. Manchmal sind es auch die Shows, die mich motivieren weiterzumachen.

Bist du eigentlich ein glücklicher Mensch?
Ja.

Was macht dich glücklich?
(Bekommt einen Lachanfall) Willst du wissen, was mich wirklich glücklich machen würde? Killing motherfuckers! Aber das wäre derzeit wohl keine gute Realität. Vielleicht später... Es macht mir Spaß, Musik zu kreieren und auf der Bühne zu stehen. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn die Leute ausflippen und ein gegenseitiger Austausch von Energien stattfindet! Ein Danzig Konzert ist eine Art Ritual. Es ist zwar ein Live Konzert, aber eben ein ganz besonderes...

Du sagst über dich selbst, du schreibst deine Songs hauptsächlich, wenn du „wütend und frustriert“ bist...
Ja, das ist jede Minute des Tages der Fall!

Sagtest du nicht, du seiest glücklich?
Schon. Die Aggressionen raus zu lassen, ist eine Befreiung für mich.

Mit welchen Themen hast du dich denn auf dem neuen Danzig Album auseinandergesetzt?
Mit meinem Frust in bezug auf die verzogen, kleinen Poser Blagen, die Bands gründen, um Kohle zu machen. Aber auch generell mit Frustration und der Kreativität, die einfach nur dadurch entsteht, wenn man jeden hasst. Hass ist immer eine gute Quelle, um Material zu schreiben und auch um eine bestimmte Stimmung zu kreieren. Ich habe immer schon gesagt, wenn ich mich irgendwann nicht mehr inspiriert fühle, dann höre ich auf. Und das stimmt, ich werde nicht weiter machen, nur um weiter zu machen.

Bist du eigentlich verheiratet? Und hast du Kinder?
Ich glaube nicht an Ehen und Kinder habe ich auch keine.

Du bist in der Vergangenheit in schlagkräftige Auseinandersetzungen mit Journalisten und Fotografen geraten. Bist du generell ein gewalttätiger Mensch?
Ich versuche, es nicht zu sein, aber ich bin es. Für gewöhnlich versuche ich aber, mich von Schlägereien fernzuhalten. Mein Kampfsportlehrer hat mir mal gesagt, der beste Kampf sei immer der, in den man nicht gerät. Besonders in Amerika, wo man nicht weiß, was die Leute grade bei sich haben, könnte jeder Kampf schnell der letzte gewesen sein.

Wie lautet denn deine persönliche Philosophie?
Frei zu leben. So wie ich es will und wann ich es will. Ich respektiere die Privatsphäre anderer und verlange, dass auch meine respektiert wird. Ich sehe die Welt nicht durch die rosarote Brille, sondern realistisch. Wenn etwas scheiße ist, dann bezeichne ich es auch so und versuche nicht, es schön zu reden. Bullshit ist Bullshit.

Manuela Liefländer